Die leidige Zukunft

   

 (zugesandt von Maria aus Italien)

 

Also fragte dein Freund und Bruder, was da wohl die Zukunft bringen werde? - Das ist freilich wohl eine sehr eitle Frage. Aber gleichwohl will Ich eine Antwort darauf geben. - Nun siehe, da ist sie schon:

Die Zeit ist und bleibt »Zeit«, wie die Welt fortwährend »Welt« bleibt. Wer da bessere Zeiten und eine bessere Welt erwartet, der irrt sich sehr in seiner irdisch frommen Erwartung! Denn die Welt war allezeit arg und wird es auch sein bis aus Ende aller Zeit.

 

Daher kann auf der Welt für die Welt die Zeit nichts als nur Arges bringen! - Für den aber, der mit Mir ist und Ich mit Ihm, dem wird weder die Welt noch ihre lose Zeit etwas anhaben können - wie euch alle schon die tausendfache Erfahrung hinreichend belehrt hat.

 

Es ist mit der Welt ähnlich wie mit der Hölle. In ihr finden nur ihre Eigenen die Hölle, nicht aber auch Meine Engel, die zumeist sich daselbst befinden, um die argen Geister zu bessern oder zu strafen.

 

Aus dem geht aber für den Geistesverständigen leicht hervor, daß der Gute auf der Welt allezeit nur Gutes, wie der Schlechte allezeit nur Schlechtes zu erwarten hat.

Wer auf Meinen Wegen wandelt, der wird mit seinen Füßen an keinen Stein stoßen; will aber jemand nur ein wenig die Wege der Welt prüfen, der wird sicher schon beim ersten Tritte auf einen tüchtigen Stein stoßen.

 

Was fragt ihr aber: »Werden wir Krieg bekommen? Werden die Polen aufstehen? Was wird Frankreich, was England machen? Was Österreich, was Preußen, was Rußland?« - Oh, das sind eitle Fragen!

 

Glaubt denn auch ihr noch an eine Vorbestimmung der Volksschicksale? - Sollte Ich etwa sagen und fest bestimmen, so und so wird es diesem oder jenem Volke ergehen?! - So Ich das täte, wäre da wohl Liebe in Mir, Geduld und Erbarmung? Oder ist wohl Liebe im Richter, der da über einen Gesetzesübertreter den Stab bricht und dann zu ihm spricht: »Morgen mußt du sterben!«? Dasselbe wäre bei Mir ja um so mehr der allerliebloseste Fall, wenn Ich mit den sündigen Menschen der Welt also verfahren möchte, da Mir, als der ewigen Allmacht, doch ewig nie eine sonderheitliche Macht trotzen kann.

 

Sehet, auf der Welt lasse ich alles frei walten, was nur immer den Namen Mensch hat. - Warum? - Das wißt ihr ja schon lange.

 

Wäre es wohl recht von Mir, so Ich nun ganz fest bestimmen möchte: »Am 21. März 1847 wird ein überaus blutiger Krieg seinen Anfang nehmen und wird sich zehn Jahre dauernd über ganz Europa erstrecken!«? - So sich nun aber die Menschen im einen oder andern bessern würden, und Ich ließe dennoch diese Geißel über sie kommen - wäre Ich da wohl ein rechter Richter und ein Vater jedes Menschen?

 

O sehet, wie eitel doch eure Fragen sind! - Ich sehe wohl in euren Herzen eine Kriegslust, durch die ihr gerne anmaßende Herrscher gedemütigt sehen möchtet! Was aber würde wohl die Frucht davon sein? Der eine wird wohl gedemütigt, aber Tausende werden dafür in ihrem Sinnesrausche erbost und werden dann ein noch viel ärgeres Spiel mit der armen und schwachen Menschheit treiben als irgendein jetziger, sich zwar wohl mächtig dünkender Herrscher, der aber dennoch in gewissen Schranken sich zu halten bemüßigt ist, weil er anderen Mächten wie auch seinem Volke doch nicht völlig traut. Wird aber einer oder der andere seine Macht erproben, dann wird auch alle mißtrauische Furcht verbannt sein, und er wird dann mit eisernem Zepter seine unterjochten Völker beherrschen, was viel Jammer, Heulen und Zähneklappern mit sich bringen würde.

 

Wer Licht sucht und will, dem wird es; wer den Frieden sucht, dem soll er werden! Der Gute und Barmherzige wird Güte und Barmherzigkeit finden, wie der Böse seinen unbarmherzigen Richter. - Ihr aber kümmert euch alles dessen gar nicht, sondern eure Frage sei nur: »Herr, Vater, bist Du bei uns?« -Und Ich sage zu euch dann: »Ja, Meine Kinder!« - Alsdann laßt nach Krakau Österreicher, Russen oder Chinesen einziehen, und es wird für euch ganz einerlei sein!

 

Mag da geschehen, was da wolle, die Meinen werden allezeit sich unter Meinem allmächtigen Schutze befinden, sei es auf der Welt oder in der Hölle. Die Welt und ihre Schwester, die Hölle, aber werden stets das bleiben, was sie sind - bis zu ihrem Gerichte.

 

Ich aber weiß gar wohl, warum Ich über ein oder das andere Volk dies oder jenes kommen lasse. Euch aber genüge es, zu wissen, dass da von Mir, dem Vater aller Menschen, keine bösen Gaben den Kindern, wie diese auch beschaffen sein mögen, gereicht werden, am wenigsten denen, die Mich suchen, erkennen und lieben. Amen! - Das zu eurer Belehrung und Danachachtung!

 

                             lotus leaf groen

-Jesus durch Jakob Lorber - (Himmelsgaben Band 2 – Seite 295 (9. Dezember 1846)

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