Das Lied der Linde

 Staffelsteiner Linde Staffelsteiner Linde

vor 1900                                                                    nach 1900

 

 

Alte Linde bei der heiligen Klamm,

Ehrfurchtsvoll betast’ ich deinen Stamm

Karel de Große hast du schon gesehen,

Wenn der Größte komst, wirst du noch stehen.

 

Rom zerhaut wie Vieh die Priesterschar,
Schonet nicht den Greis im Silberhaar,
Über Leichen muß der Höchste fliehn
Und verfolgt von Ort zu Orte ziehn.

 

Winter kommt, drei Tage Finsternis.
Blitz und Donner und der Erde Riß,
Bet' daheim, verlasse nicht das Haus!
Auch am Fenster schaue nicht den Graus!

 

Eine Kerze gibt die ganze Zeit allein,
Wofern sie brennen will, dir Schein.
Gift'ger Odem dringt aus Staubesnacht,
Schwarze Seuche, schlimmste Menschenschlacht.

 

Gleiches allen Erdgebor'nen droht,
Doch die Guten sterben sel'gen Tod.
Viel Getreue bleiben wunderbar
Frei von Atemkrampf und Pestgefahr.

 

Zählst du alle Menschen auf der Welt,
Wirst du finden, daß ein Drittel fehlt,
Was noch übrig, schau in jedes Land,
Hat zur Hälft' verloren den Verstand.

 

Ja, von Osten kommt der starke Held,
Ordnung bringend der verwirrten Welt.
Weiße Blumen um das Herz des Herrn,
Seinem Rufe folgt der Wackre gern.

 

Alle Kirchen einig und vereint,
Einer Herde einz'ger Hirt' erscheint.
Halbmond mählich weicht dem Kreuze ganz,
Schwarzes Land erstrahlt in Glaubensglanz.

 

Reiche Ernten schau’ ich jedes Jahr,

Weiser Männer eine große Schar,

seuch‘ und Kriegen ist die Welt entrückt,

Wer die Zeit erlebt, ist hochbeglückt.

 

Staffelsteiner Linde

                           rund 1970

In der oberfränkischen Kleinstadt Bad Staffelstein, standen gegenüber dem Friedhof am Weg zum Staffelberg noch bis ca. 1990 die Reste eines uralten Lindenbaumes.

Der Umfang dieser Linde soll einst 24 Meter [!] betragen haben. Das Alter wurde auf ca. 1200 Jahre [!] geschätzt und dieser soll einer der ältesten Bäume in ganz Deutschland gewesen sein. Leider existiert die alte Linde seit 1990 nicht mehr. Nur noch Fragmente davon können heute im Bad Staffelsteiner Heimatmuseum besichtigt werden. Um diese Linde gibt es ein bis heute ungelöstes Mirakel [!] In ihrem ausgehöhlten Stamm fand man um ca. 1850 alte Schriften, auf Denen ein Lied in Gedichtform von einem unbekannten Verfasser geschrieben stand, aus dem man so manche Prophezeiungen deuten kann. Man nennt dieses Gedicht ‘ Das Lied der Linde’, bzw. ‘Der Linde Lied’.  

 

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